TIERÄRZTLICHE PRAXIS FÜR KATZEN • FISCHBACHSTRASSE 10a • 61440 Oberursel        

Glykogenspeicherkrankheit Typ IV der Norwegischen Waldkatze

Einleitung

Glykogenspeicherkrankheiten zählen beim Menschen zu den seltenen Stoffwechselerkrankungen. Die Einteilung und Benennung dieser Erkrankungen erfolgt in chronologischer Reihenfolge der Erstbeschreibung mit römischen Ziffern. Auch der Name des Erstbeschreibers kann genannt werden. Beim Menschen wird die Glykogenspeicherkrankheit Typ IV auch als Morbus Andersen bezeichnet. Es handelt sich um einen angeborenen Enzymdefekt, bei dem sowohl die Synthese als auch der Abbau von Glykogen betroffen sein kann.

Katze

Bei der Norwegischen Waldkatze kommt es durch das Fehlen eines Enzymes, dem Glycan Branching Enzyme (GBE), zur massiven Einlagerung von Glykogen in Geweben und Organen wie Muskulatur, Herz und Leber. Glykogen ist ein verzweigter Vielfachzucker, der aus Glukosebausteinen zusammen gesetzt ist. Glykogen dient der Bereitstellung von Energie durch Abspaltung der einzelnen Glukosebausteine bei Bedarf und stellt eine Speicherform des Energieträgers Glukose dar.

Bei der Katze erfolgte die Erstbeschreibung der Erkrankung 1992:

Glycogen storage disease type IV: inherited deficiency of branching enzyme activity in cats.
Fyfe JC, Giger U, Van Winkle TJ, Haskins ME, Steinberg SA, Wang P, Patterson DF
Section of Medical Genetics, School of Veterinary Medicine, University of Pennsylvania,
Philadelphie 19104-6010. Pediatr Res 1992 Dec;32(6):719-725


Im Jahr 2007 gelang es dann, die für diese Erkrankung verantwortliche Gen-Mutation zu identifizieren:

A complex rearrangement in GBE1 causes both perinatal hypoglycemic collapse and
late-juvenile-onset neuromuscular degeneration in glycogen storage disease type IV
of Norwegian forest cats.
Fyfe John C, Kurzhals Rebeccah L, Hawkins Michelle G, Wang Ping, Yuhki Naoya, Giger Urs, Van Winkle Thomas J, Haskins Mark E, Patterson Donald F, Henthorn Paula S
Molecular genetics and metabolism 2007;90(4):383-392.

Symptome beim Menschen

Beim Menschen zeigt sich die Störung der Glykogensynthese durch eine Leberzirrhose und Leberversagen innerhalb der ersten Lebensmonate. Die Therapie richtet sich vordergründig auf die Behebung der Symptome. Die Transplantation der Leber ist umstritten, da die fehlerhaften Stoffwechselvorgänge auch in anderen Organen stattfinden.

Symptome bei der Katze

Bei der Norwegischen Waldkatze gibt es zwei Verlaufsformen. Betroffene Welpen können bereits während oder kurz nach der Geburt versterben. Tiere, die nach der Geburt unauffällig und gesund erscheinen, entwickeln zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat deutliche und für diese Erkrankung typische und schwerwiegende Symptomatiken: Muskelschwäche, Muskelatrophien, Muskelkontrakturen. Nicht selten sterben betroffene Tiere an einem Herzversagen. Die meisten betroffenen Katzen versterben aber während oder kurz nach der Geburt.

Genetik

Die Glykogenspeicherkrankheit IV wird autosomal-rezessiv vererbt.
Drei Erbbilder (Genotypen) sind möglich:

1) Die Katze ist nicht Träger des mutierten Gens.

Das Risiko einer Erkrankung ist  unwahrscheinlich. Eine Übertragung des Gendefektes an die Nachkommen ist ausgeschlossen.
 

Abbildung 1: Verpaarung zweiter gesunder Tiere; die Nachkommen sind gesund
Abbildung 1: Verpaarung zweiter gesunder Tiere; die Nachkommen sind gesund

2) Die Katze ist Träger einer Kopie des mutierten Gens

Das Risiko einer Erkrankung ist unwahrscheinlich. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf die Nachkommen beträgt 50%. Eine Verpaarung sollte nur mit einem homozygot gesunden Partner erfolgen.

Abbildung 2: Verpaarung einer Trägerkatze mit einem genetisch gesunden Partner. Die Nachkommen sind gesund, tragen jedoch teilweise eine Kopie des mut
Abbildung 2: Verpaarung einer Trägerkatze mit einem genetisch gesunden Partner. Die Nachkommen sind gesund, tragen jedoch teilweise eine Kopie des mut
Abbildung 3: Verpaarung zweier (optisch) gesunder Trägertiere (heterozygote Träger), die Nachkommen sind zum Teil homozygot betroffen und werden höchs
Abbildung 3: Verpaarung zweier (optisch) gesunder Trägertiere (heterozygote Träger), die Nachkommen sind zum Teil homozygot betroffen und werden höchs

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Der Artikel ist zur Veröffentlichung angenommen. Der Veröffentlichungstermin steht allerdings noch nicht fest. Daher liegt der Artikel hier nur in gekürzter Fassung vor.



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